Interview

Der Waldverbesserer

Herr Langenohl, CO2- Kompensation, indem man in Schleswig-Holstein Bäumchen pflanzt, wie Sie es mit Evers-ReForest tun, ist das nicht ein bisschen romantisch?
Matthias Langenohl (ML): "Bäumchen" ist gut. Insgesamt haben wir bereits mehr als 200.000 Bäume gesetzt. Wenn man bedenkt, dass jeder von ihnen in seinem Leben ca. 100 kg CO2 kompensiert, dann ist das eine ganze Menge Holz. Schleswig-Holstein ist außerdem das waldärmste Gebiet Deutschlands, da liegt es nahe, hier aufzuforsten.

Aber es hat tatsächlich auch emotionale Gründe, warum wir ReForest so entwickelt haben. Zum einen fühlen wir uns als norddeutsche Unternehmensgruppe der Region verpflichtet, für uns versteht sich das von selbst. Hinzu kommt, dass die Menschen, Kunden, viel eher in ein Aufforstungsprojekt einsteigen, das sie sehen können. Von dem sie sagen können: "Guck mal, das ist mein Wald, den hab ich gepflanzt." Den sie am Wochenende mit ihren Kindern anschauen können. Eigentlich war das mal die Grundidee von Evers- ReForest: Wir wollten entlang der B5 bei Meldorf Bäume pflanzen - und sie alle sollten auch noch Namen bekommen. Das war allerdings wirklich ein bisschen romantisch.

Wie wurde daraus Evers-ReForest?
ML: 2009 bekamen wir bei der Eversfrank Gruppe eine Kundenanfrage, ob wir "klimaneutral" drucken könnten. Konnten - und können wir nicht. Das kann keiner. Mit dem heutigen Stand der Technik sind Emissionen systemimmanent. Insofern können wir CO"nur" kompensieren. Etwas anderes zu behaupten, wäre Schönfärberei.

Aber zurück: Natürlich hatten wir auch damals die Möglichkeit, entsprechende Kompensations-Zertifikate zu kaufen. Wenn ein Kunde das möchte, neutralisieren wir auch heute so die Emissionen seiner Produktion. Nur, uns war das seinerzeit zu abstrakt. Wir wollten konkret wissen, was mit den Geldern passiert, wollten sehen, ob und wie daraus ein Wald wächst. Was folgte, waren Gespräche mit dem Landratsamt. Und dann wurde im März 2010 der erste Aufforstungsvertrag unterschrieben. Einen Monat später pflanzten wir die ersten Bäume in Welmbüttel, nordöstlich von Meldorf.

Ist es ein Erfolg?
ML: In jeder Hinsicht. Die Aufforstung wurde so gut aufgenommen, dass wir immer neue Gebiete zwischen Preetz und Hamburg bepflanzen lassen konnten. Das Wichtigste dabei, sofort im April 2010 hat das unabhängige Thünen Institut die Berechnung und Prüfung zur CO2-Kompensation übernommen. Damit war eine absolut vertrauenswürdige Basis geschaffen. 2011 ist Evers-ReForest dann ein eigenes Unternehmen geworden.

Und heute kompensieren wir mit Aufforstung und Waldpatenschaften nicht nur die Emissionen aus Printproduktionen. Auch Fuhrparks, Veranstaltungen usw. werden neutralisiert. Und mit den Frischluftpost-Marken auch die ganz alltägliche Briefpost.